Heilpädagogisches Reiten an der Maria-Montessori-Schule
An der Maria-Montessori-Schule wird das Therapeutische Reiten bereits seit 1984 in unterschiedlichen Variationen durchgeführt.
Bei jeder Schülerin und jedem Schüler werden unterschiedliche Schwerpunkte in der Therapie gesetzt. Die gestellten Anforderungen unterscheiden sich ebenfalls.
Seit Beginn des Schuljahres 1997/98 besitzt der Schulverein ein eigenes Schulpferd. Unser Therapiepferd heißt Knud. Er ist ein Jütländer Kaltblut und wird uns von einem Mäzen inklusive aller Folgekosten finanziert.
Knud steht auf einem Reiterhof in Ratzbek. Im Rahmen des Vormittagsunterrichts und des Nachmittagsangebotes können wir zu Knud fahren und mit allen Sinnen erleben, wie wunderbar heilpädagogisches Reiten ist.
Frau Schultz ist die Reitobfrau an unserer Schule. Außerdem steht uns noch eine ausgebildete Reitlehrerin von extern zur Verfügung (ebenfalls durch unseren Mäzen finanziert).
Etwas Theorie zum Heilpädagogischen Reiten und Voltigieren
Reiten mit behinderten Menschen:
Geistig behinderte Menschen lernen auf der Grundlage konkret-sinnlich-ganzheitlicher Erfahrungen und Erlebnisse. Der Erlebnisunterricht „Pferd“ spricht alle Sinne an. Dadurch können zusätzlich zum normalen Unterricht komplexe, ganzheitliche Erfahrungen erlangt werden, die wiederum den Aufbau neuer Reaktions- und Verhaltensmuster erleichtern.
Hippokrates (4. – 5. Jahrhundert vor Christus) soll wegen des „heilsamen Rhythmus ) das Reiten zu den wichtigsten Übungen im medizinischen Sinne gerechnet haben.
Indikationen für heilpädagogisches Reiten/Voltigieren:
Geistige Behinderungen
Lernbehinderungen
Verhaltensstörungen verschiedener Ursachen einschließlich hirnorganischer Psychosyndrome und minimaler cerebraler Bewegungsstörungen
Autistisches Syndrom
kindliche Neurosen (z, B. Phobien);
Sprachstörungen (z.B. Mutismus, Stottern).
Aufgaben und Ziele der Reittherapie:
Psychischer und sozialer Bereich
Schulung der Aufmerksamkeit und Konzentration: Bewegungsabläufe des Pferdes werden beobachtet und nachgeahmt. Das Einhalten einer bestimmten Reihenfolge wird geübt.
Stimulierung von Motivationen: Ansprechbarkeit verbessern, Steigerung der Leistung, Aktivitäten steigern, Erfolgserlebnisse vermitteln, Annahme der Korrektur als Hilfe, Befolgen von Anweisungen
Stabilisierung der Persönlichkeit durch Entwicklung des Selbstwertgefühls
Abbau von Aggressionen, Ängsten und Hemmungen
Wecken von Selbstbewusstsein und Lebensfreude, Abbau von Aggressionen, Ängsten und Hemmungen
Aufbau und Pflege von Sozialkontakten (zum Pferd, anderen Menschen und zur Gruppe)
Der Mensch soll lernen, sich einzuordnen, Hilfen zu geben und zu empfangen, Rücksicht zu nehmen und Verantwortung zu empfinden. Ziel ist es, zur Gruppenfähigkeit und zu sozialer Integration hinzuführen und ein Angebot zu sinnvoller Freizeitgestaltung zu erleben.
Funktioneller und physiologischer Bereich
Rekondition oder Verbesserung reduzierter physiologischer Funktionen
Ausgleich und Vermeidung von Sekundärschäden (z. B. Verhaltensstörungen)
Allgemeines Körper- und Organtraining
Schulung der Koordination der Bewegungen
Allgemeines und spezielles Geschicklichkeits- und Funktionstraining
Elementarbewegungen – wie Laufen, Springen, Klatschen
Gehschulung durch Führen des Pferdes im Schritt und Trab
Haltungsschulung
Lockerung durch Gleichgewicht und Balance
Psychomotorischer Bereich
Schulung der Perzeption und Raumorientierung, konkrete Erfahrbarkeit der Raumlagen oben, unten, hinten, vorn usw., Zielgehen zum Pferd an der Longe.
Aktivierung der Sinne: Fühlen, Riechen, Sehen, Hören, Entwicklung des Raumlagegefühls
Sprachschulung: Harmonisierung der Atmung, Einbindung von Sprachübungen (z. B. mittels Sprechen von Silben, Namen etc. verbunden mit Klatschen), Geben von Kommandos an das Pferd
Barbara Schultz (Reitobfrau)

